Waldhygiene im Winter

Der Sommer 2017 wird vielen Waldbesitzern im nördlichen Ober- und Niederösterreich lange in schlechter Erinnerung bleiben: Plötzlich eintretender Borkenkäferbefall ließ viele Bäume absterben. Was ist nun zu tun?

Holz mit BorkenkäferschadenHolz mit BorkenkäferschadenHolz mit Borkenkäferschaden[1511265497774879.jpg]
Vom Borkenkäfer befallene Stämme verfärben sich durch eine Pilzinfektion blau. Die Eigenschaften des Holzes bleiben aber erhalten.  
Lange gepflegte Bestände mit guten Holzqualitäten wurden im heurigen Sommer (2017) mit einem Schlag zu minderwertigem Käferholz. Noch dazu konnte dieses Holz nicht sofort zu den Sägewerken gebracht werden, da die Übernahmekapazitäten erschöpft waren. Für viele Waldbauern bedeutete dies einen Wertverlust von oft 50 %: Vorher A/B/C Bloch, dann Käferholz oder Braunbloch. Welche Maßnahmen sind jetzt notwendig?

Waldbestand überprüfen

Der ganze Waldbestand muss überprüft werden, ob sich Borkenkäfer in den Bäumen befinden. Charakteristische Zeichen für einen Borkenkäferbefall sind:
  • Bohrmehl am Stammfuß, gut sichtbar etwa in Spinnweben oder auf der Bodenvegetation.
  • Einbohrlöcher, oft unter den Rindenschuppen (bis auf Augenhöhe gut erkennbar).
  • Harztröpfchen bzw. Harzfluss ist kein eindeutiges Befallsmerkmal, da es hierfür andere Ursachen geben kann.
  • Bei fortgeschrittenem Befall herabfallende Rindenstücke.
  • Braunfärbung der Kronen und große Mengen fahl grüner Nadeln am Boden, die neue Käfergeneration ist dann zum Teil schon ausgeflogen und eine Sanierung ist wenig effektiv.
Die regelmäßige Kontrolle der Fichtenbestände ist für das rechtzeitige Erkennen des Käferbefalls und für Gegenmaßnahmen von entscheidender Bedeutung. Der Umgebung früherer Käfernester, Bereichen mit Wurf und Bruch (auch bereits saniertem) aus dem vergangenen Winter und sonnenseitiger Waldränder sind besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Allerding ist es selbst für erfahrene Forstleute nicht immer einfach, einen frischen Käferbefall zu erkennen (Bohrmehl wird vom Regen abgewaschen, Borkenkäfer attackieren die Bäume im mittleren und oberen Kronenbereich zuerst).

Welche Maßnahmen setzen?

Bringen Sie erkannte Schadbäume unbedingt aus dem Wald. Die Vermarktung von Bloch- und Faserholz ist momentan gut möglich. Ein Problem ist das Energieholz. Die beste (wenn auch teure) Lösung: Verhacken und in den Bestand zurückführen. Da man nicht alle befallenen Bäume erkennen kann, sollte man großzügig rändeln. Das heißt, auch Fichten, die sich am Rand des Befallsherd befinden, gehören entnommen, denn sie könnten auch befallen sein. Es ist wirtschaftlich sinnvoller, jetzt frisches Blochholz zu ernten als im nächsten Sommer verblautes Schadholz.

Auf jeden Fall muss man den im Bestand verbleibenden Wipfel auf möglichst kurze Stücke abschneiden, damit ein rasches Austrocknen im Frühjahr gewährleistet ist und das Restholz für den Käfer nicht mehr attraktiv ist, also nicht mehr fängisch. Experten meinen auch, dass der Biomasseboom der letzten Jahre zur Borkenkäferkalamität 2017 beigetragen hat: Durch die Lagerung von Wipfeln, Ästen und Energieholz am Waldrand finden Borkenkäfer ideale Vermehrungsmöglichkeiten vor. Ohne gesicherte Abnahme der Biomasse ist daher von dieser Art der Lagerung abzuraten!

Die Holzprofis der Lagerhäuser stehen mit Rat und Tat zur Seite. Sie helfen auch bei der Suche nach einem Schlägerungsunternehmer, falls die eigenen Kapazitäten für die Käferholzernte nicht ausreichen.

Droht nächstes Jahr ein stärkerer Befall?

Die Borkenkäfer-Arten Buchdrucker und Kupferstecher überwintern in allen Entwicklungsstadien (Larven, Puppen, erwachsene Käfer) unter der Rinde befallener Bäume. Erwachsene Käfer ziehen sich teilweise zur Überwinterung in die Bodenstreu zurück. Eier und junge Larvenstadien reagieren empfindlich auf Temperaturen unter -10 bis -15° C über mehrere Tage hinweg. Ältere Larven, Puppen und Käfer können auch lange Kälteperioden ohne große Verluste überstehen. Daher fürchten viele Experten, dass es im Frühjahr 2018, je nach Witterung, zu einem größeren Borkenkäferbefall kommen wird.
Autor:
DI Reinhard Pfeffer, RWA